2: Minisize für mini Reis

Während die Dokumententasche für Reisen den Adams dieser Welt tatsächlich als allernötigste Ausrüstung reicht, sind wir Evas meist doch etwas weniger bescheiden. Von den grundlegenden Kosmetikprodukten, unserem Lieblingsduft und einer Crème gegen trockene Haut können wir uns auch auf Kurztrips kaum trennen. Ich empfehle, egal wie lange die Reise dauern soll, auf kleinere Produktgrössen umzusteigen. Denn was gibt es schöneres, als in die Düfte und Farbpalletten von fremden Ländern einzutauchen und sie als Erinnerungen nach Hause zu importieren? Überschüssiges Nivea-Duschgel oder Loréal-Shampoo klauen dabei nur den beschränkten Platz im und das zugelassene Gewicht vom Koffer. Das Reiseetui garantiert problemloses Einreisen ins Ausland und massenhaft Stauraum für exklusive Produkte auf der Rückreise.

Reiseetui1

Weiterlesen

1: Reise nach Bethlehem

Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit einer Reise, so wie viele wundersame Geschichten mit einer Reise ihren Anfang nehmen. Ungleich Maria und Josef müssen wir im heutigen Zeitalter nimmermehr einen Esel satteln, das Einstecken einer Fahrkarte oder eines Flugtickets genügt. Personalausweis, Hotelreservation und ein paar Scheine in der Fremdwährung reichen als allernötigste Reisebegleiter. Ein bisschen Magieverlust im Vergleich zu den beschwerlichen, abenteuerlichen Reisen unserer Ahnen. Die kartographische Dokumententasche schafft Abhilfe und lässt uns träumen von Napoleon, Magellan und der Zeit, als die Weltmeere noch unentdeckt und die Landkarten zu zeichnen waren. Und ist als Adventskalendergeschenk ein schöner Auftakt für die Reise in die Weihnachtszeit, ganz im Sinne von Ernest Hemmingway: „It is good to have an end to journey toward, but it is the journey that matters, in the end.“

Dokumententasche1

Weiterlesen

Ändere den Aggregatzustand deiner Gefühle

Ich möchte heute versuchen, einen Beitrag zu schreiben, nicht über den Aussenraum, nicht über den Innenraum, sondern über meinen allerinnersten Raum. Ich habe im Juni meinen Vater innerhalb eines Monates an den Krebs verloren und seither kaum geschrieben. Weder für mich, noch für andere. Ich konnte nicht, ich wollte nicht. Ich konnte nicht, weil ich meine spärlich vorhandene Energie auf das Wesentliche konzentrieren musste. Weil ich damit beschäftigt war, einfach zu funktionieren. Weil die Trauer wie Hochnebel über mir lag, mir durch Mark und Glieder kroch. Ich konnte nicht, weil Innen- und Aussenräume zeitweilig verschwammen, Grenzen zwischen Gedanken, Erinnerungen und Realität sich auflösten. Und ich wollte nicht, weil: wie konnte ich diese komplexen Gefühle in Worte fassen? Würden sie dadurch nicht unmittelbar zu etwas Trivialem degradiert? Ich wollte nicht, weil ich Angst hatte, zu vergessen und in den Alltag zurückzukehren. Ein Alltag, der nie mehr so sein würde wie früher. Weiterlesen

Natürlich künstlich

Niemand kennt Banksy, alle jedoch seine Werke. Street Art ist die Kunst der Gegenwart. Sie erfordert keine mühseligen Museumsbesuche. Sie bedarf keiner ausgiebigen kunsthistorischen Recherche. Sie kann ohne zu zahlen genossen werden. Sie regt, wenn gelungen, zum Denken an. Sie verschmiert, wenn schlecht, Gebäude und Strassen. Und, wenn sehr gelungen, passt sie sich spielerisch in die Umgebung ein und ergibt mit natürlichen Elementen, die aller Versiegelung trotzen, ein wunderschönes, provokatives, ironisches oder inspirierendes Gesamtbild.

“Some people become cops because they want to make the world a better place. Some people become vandals because they want to make the world a better looking place.” – Banksy

streetart1

Weiterlesen

Alles ist relativ

Schon früh in meiner Jugend habe ich das Einsteinsche Paradigma kennengelernt. In zähen Verhandlungen über die angemessene Stunde, zu welcher ein Mädchen im zarten Alter von 14 zu Hause sein sollte, versuchte ich meine Mutter stets mit folgendem Argument zu überzeugen: „Mami, Lilly/Nora/Heidi* dürfen auch bis 23:00 Uhr unterwegs sein“. Worauf Mami stets mit demselben entkräftigenden Gegenargument aufwartete: „Nun ja, das mag sein, aber die Mütter von Laura/Hanna/Sophie* haben mir versichert, dass ihre Töchter stets um 21:00 zurück sind.“ Alles ist relativ. Und natürlich siegte das elterliche Bezugssystem über das meine. Bald darauf lernte ich allerdings, meine liebe Mutter mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Ihrer Aufforderung endlich mein Zimmer aufzuräumen, das in einer zentimeterhohen Staubschicht im Chaos versank, und mir „ein Vorbild an Müllers*“ zu nehmen, entgegnete ich seelenruhig, sie könne froh sein, dass es nicht wie bei Steiners* aussieht, dort wüte nämlich das ganze Jahr hindurch ein Tornado. Alles ist eben relativ.

*Namen von der Redaktion geändert

Auch heute noch ist diese vergleichende Haltung in mir verankert. Wenn du nicht Yogi bist, 8 Stunden am Tag meditierst, in einer Waldhütte fernab jeglicher Zivilisation lebst und dich von Luft und Liebe ernährst, wirst auch du diese innerliche Bewertung deiner selbst und deines kleinen Universums kennen. Wie oft doch sät das fiese Teufelchen in uns Gedanken wie: Bin ich gebildet/sportlich/schön/erfolgreich/augeglichen/liebenswert/grosszügig/… genug? Wenn du Glück hast und just in diesem Moment an einer aufgetackelten Tussi, den Tanga bis in den mittleren Rücken gezogen, und eine Hasstirade in obszöner Sprache rezitierend, vorbeispazierst, vermagst du die Selbstzweifel wohl im Keim zu ersticken. Sitzt du allerdings im neuen Szeni-Kaffee umgeben von gestylten Halbmodels, die Kafka lesen und sich angeregt über die Relativitätstheorie unterhalten, eichst du deinen Vergleichsmassstab zu deinen Ungunsten. In solchen Situationen sprechen mir Kettcar mit ihrem Lied „Hiersein“ (Link zu Youtube) öfters aus der Seele: „Und dann im Boden versinken, einen letzten Schluck trinken, alles andere vergessen, mit anderen Massstäben messen, dann den Blick langsam senken und raus aus dem Licht, dies ist eine Geschichte – meine ist es nicht.“ Wie schön wäre es, noch einen Schritt weiter zu kommen und „Alles ist relativ“ so zu internieren, dass gar keine Massstäbe mehr angelegt werden müssen und ich mir der Wichtigkeit des Bezugssystems und damit der Nichtigkeit der Vergleiche stets bewusst bin. Zeit für mich, dieser Relativitätstheorie eine Chance zu geben und ihr etwas genauer auf den Grund zu gehen.

calvin Weiterlesen

Darwin’s Prachtexemplare

Neulich, es war einer der wenigen Sommertage im Juli, sass ich voller Vorfreude auf einen Feierabendschwumm im Bus. Die warme Luft einatmend. Die Sonne durch die Scheibe suchend. Mit einem Ohr der Konversation meiner Sitznachbarn lauschend: „Gopf, es isch wahnsinnig tüppig, die Temperature mached mich total schlapp…!“ – Keine halbe Stunde später lag ich abgekühlt und erfrischt von dem verdienten Sprung in die Limmat auf meinem wunderschönen neuen Badetuch. Die Augen geschlossen. Die Beine und Arme von mir gestreckt. Mit einem Ohr der Konversation meiner Liegenachbarn lauschend: „Ich weiss au nöd, aber das Wasser tunkt mi schampar chalt, isch gar nöd luschtig, sich im Fluss triibe zlah…!“ – Natürlich veranlasste dieser schöne Sommertag zu einem Nachtessen in der Gartenbeiz. Und so sass ich, hungrig, die letzten Sonnenstrahlen im Gesicht, im grünen und lauschigen Aussenbereich des Gartenhofes. Meine Nase in die Speisekarte gesteckt. Die laue Abendluft geniessend. Mit einem Ohr der Konversation meiner Tischnachbarn lauschend: “Sägmal, chönd die nöd en Sunneschirm uufspanne, d‘Sunne schiint mir direkt is Gsicht und es blendet mi voll…“. – Kurz vor Mitternacht lag ich endlich in meinem Bett, über die Ereignisse des Tages sinnierend, auf den Schlaf wartend. Erholt und zufrieden dank des schönen Tages. Mit einem Ohr den Gedanken in meinem Kopf lauschend: „Sind wir Menschen so schlecht anpassungsfähig? Es scheint, als ob wir uns nie an das Wetter, an die Geräuschkulisse, an unsere Umgebung, an unsere Mitmenschen gewöhnen. Wieso ist es uns immer zu kalt, zu warm, zu laut, zu eng, zu dunkel, zu hell…?“ Und plötzlich erschien mein Mikrobiologie-Professor vor meinem inneren Auge. Wie er in einem halbstündigen Referat mit Begeisterung von Thermus aquaticus geschwärmt hat. Thermus aquaticus, wie sein Name vermuten lässt, ist ein Bakterium, das sich an Temperaturen von bis zu 80°C gewöhnt hat. Den Überlebenskünstler vor Augen beschloss ich, mich auf die Suche nach weiteren Exemplaren aus dem Tierreich zu machen, die uns Menschen an Anpassungsfähigkeit so einiges voraus haben. Darwin hätte seine helle Freude. Und wir vielleicht ein Vorbild in Situationen, über die sich zu Beklagen doch eigentlich viel zu schade sind. Weiterlesen

Werbepause

zapp

Stooooopp! Bitte nicht wegzappen. Werbung, insbesondere digitale Werbung, steht ganz oben auf meiner Liste der lästigsten Einflüsse in unserem Alltag. Abgesehen von der riesigen Geldmaschinerie im Hintergrund, der Kreation einer völlig unrealistischen Welt und dem damit verbundenen Druck auf viele nicht immer resistente Menschen trägt das Universum an schlechten Werbungen („Waschmaschinen leben länger mit Calgon!“ Blink) einen grossen Teil zu meiner Abneigung dieser Art medialer Überflutung bei. Wie ist es möglich, dass Grosskonzerne Unsummen in wirklich grottenschlechte Kampagnen investieren? Umso mehr beeindrucken mich raffinierte und überdachte Werbeplakate oder Werbespots, die oft von nicht sehr finanzstarken Unternehmen lanciert werden. Eine Auswahl gelungener Anzeigen zum Thema „Aussenraum“ möchte ich euch nicht vorenthalten. Dies ist Werbung für mehr gute Werbung!

Weiterlesen