Zementieren geht über Studieren

Habe ich neulich im Baumarkt gelernt. Die Situation war nämlich folgende: schon länger träumte ich von Bastel-Projekten mit Beton. Beton, ein Material, das mich täglich umgibt, das mich stützt und mir Wohnräume bietet. Beton, für mich die Bezeichnung für alle grauen Bausubstanzen. Mit dieser Vorstellung suchte ich im Baumarkt minutenlang erfolglos nach einem Sack Beton, bis ein aufmerksamer Mitarbeiter sich meiner annahm und mich fragte, wonach ich denn in diesem Regal, (in welches meiner Ansicht nach Beton sehr gut hineingepasst hätte), so angestrengt suche. „Ich benötige Beton“, erwiderte ich freundlich. „Ja hoppla, da sind sie aber falsch hier, das gibt es nur in der Warenausgabe im untersten Stock und in Säcken von Minimum 20 Litern. Sind sie mit dem Auto hier?“ –„Ähm nein, mit dem Velo, aber ich habe ein Körbli. (Dass dieses schon bei 5 kg Gewicht aufs Rad klappt, behalte ich aber wohlwissend für mich) Weshalb gibt es keine kleinere Portionen?“ – „Gute Frau, Beton ist ein Baumaterial und wird vorzugsweise in grossen Mengen benötigt. Was möchten Sie denn bauen?“ – „Eigentlich möchte ich nicht etwas bauen, ich möchte aus Beton Kerzenständer machen und Vasen und…“ – „Aha, Sie brauchen also Zement.“ – Ich denke: nein, Beton, und sage: „Ja, vielleicht, worin unterscheiden sich denn die zwei Materialien?“ – (Die folgende Ausführung wurde aus Rücksicht auf den Leser stark gekürzt): „Zement ist ein Bindemittel und erhärtet sich durch die Reaktion mit Wasser zu einem grauen Festkörper. Beton ist ein Steingemisch aus Kies und Sand, das in der Regel mit dem Bindemittel Zement verwendet wird, welches (wie zuvor erklärt) durch Wasserzugabe erhärtet und den Beton so zu einem festen Baustoffgemisch macht.“ Oder in meinen Worten: Zement ist Zement und Beton ist Zement mit Kies und Sand drin. Und ich werde wohl trotzdem weiterhin Beton dazu sagen.

Mit diesem neuen Fachwissen ausgerüstet startete ich gut vorbereitet in die Beton-Phase meiner Architekturkarriere. Die meisten Bauprojekte dauerten länger als erwartet und die Ergebnisse waren anders als geplant. Dennoch erfreuen mich die Früchte meiner Bautätigkeit immer wieder. Die folgenden Anregungen sind für interessierte Architekten gedacht, die Geduld und Freude am Experimentieren haben und das mit der eigentlichen Verwendung des Baumaterials nicht so genau nehmen.

Folgende Hilfsmittel solltest du dir als Grundstock zulegen:

  • Beton, z.B. von Migros
  • Einen grossen und mehrere kleine Plastikeimer, um den Beton abzufüllen
  • Wasser, um den Beton anzumischen
  • Eine Holzkelle, um den Beton zu einer einheitlichen Masse zu rühren
  • Löffel verschiedener Grösse, um den Beton zu giessen
  • Schleifpapier, um die ausgehärteten Formen zu verfeinern
  • Acrylfarbe, um den Formen Farben zu geben

Die für die spezifischen Projekte benötigten zusätzlichen Materialien und Arbeitsschritte sind in den Anleitungen angegeben. Gewisse Abläufe wiederholen sich und sind jeweils beim ersten Projekt und später nicht mehr erwähnt.

Beachte, dass der handelsübliche Beton ungefähr eine Woche zum Aushärten benötigt. Nach 2 Tagen kannst du deine Kreationen allerdings aus den Formen drücken und dich auf das Endprodukt vorfreuen.

Starbalkon

betonbalkonverzierungMein grüner Daumen ist ja eher berüchtigt als berühmt. Mit Balkonpflanzen verbindet mich jedoch die Freude an der frischen Luft, an Sonne und Regen und der Sicherheit, gut aufgehoben zu sein. Deswegen wachsen sie vielleicht gesünder als meine Zimmerpflanzen. Mein Balkon ist für mich mehr als nur ein Heim für Pflanzen, er ist eine kleine Oase, die uns ein Wohlgefühl vermitteln soll, farbig, frisch, einladend, gemütlich. Um den Kräutertöpfen das gewisse Etwas zu verpassen, habe ich deswegen Sternenzauberstäbe gegossen. Und dafür prompt einen Auftrag als Balkondekorateurin von unseren Nachbarinnen erhalten.

Für die Zaubersterne benötigst du (zusätzlich):

Fette die Silikonform vor dem Giessen mit Speiseöl ein, dann lässt sich der Beton nach dem Aushärten wunderbar lösen.

Diamonds are a girl’s best friend

betondiamantenMarylin Monroe, Frau, Ikone, Vorbild, Verführerin kann wohl nicht im Unrecht sein. Wer nicht einen Millionär geheiratet hat oder heiraten wird und selbst nicht allzu viel Wert auf den monäteren Wert von Schmuckstücken legt, sondern mehr auf ihre Bedeutung, dem seien die Betondiamanten empfohlen. Ich trage sie mit Ironie und verschenke sie an liebe Freundinnen, die in meinem Leben mindestens so wertvoll wie Diamanten sind.

Für die Diamanten benötigst du (zusätzlich):

  • Entweder eine Eiswürfelform für Diamanten und Speiseöl und Pinsel oder…
  • Papier, Schere und Klebstreifen, um dir deine eigene Form zu basteln. Wenn du dich für die selbstgebastelte Form entscheidest, benutze am besten festeres Papier (ca. 200g). Ich habe verschiedene Formen im Web gesucht und sie in verschiedenen Grössen gedruckt. Damit die kleinen Formen zum Aushärten senkrecht stehen, habe ich sie in Ersatzklebestreifenrollen gestellt.
  • Ösen/Gerüstschrauben/Gewindestifte aus dem Baumarkt
  • Blattmetall
  • Anlegemilch für Blattmetall
  • Überzuglack für Blattmetall
  • Lederband

Begiesse die Formen mit Beton und warte ungefähr eine Stunde, bevor du die Ösen in die angetrockneten Diamanten drückst. Du wirst schnell spüren, ob der Beton genügend ausgehärtet ist oder ob du noch länger warten musst. Die Öse sollte nicht weiter einsinken und nicht umkippen. Zum Abschluss habe ich den Diamanten mit Blattmetal in gold, silber oder kupfer verschönert. Dazu musst du den Diamanten an gewünschten Stellen mit Anlegemilch bepinseln, eine halbe Stunde warten und dann mit einem weichen Pinsel oder deinem Finger die Metallflocken auf den Diamanten pressen. Nach einer Trocknungszeit von einem Tag mit Überzugslack versiegeln.

Die Verpackung ist übrigens die Idee meines Vaters. Ich finde sie wunderhübsch für unterschiedliche kleine Geschenke. Als Hülle dient eine durchsichtige Box für CD-Rohlinge oder Disketten. Glitzerndes Geschenkpapier dient als augenfälliges Füllmaterial, das deinem kleinen Präsent zusätzlich Schutz bietet. Da ich Worte und Zitate mag, hab ich die Geschenkbox zusätzlich mit einem Spruch versehen. Trotz oder gerade wegen aller modernen Computertechnologien mag ich die etwas altbackene Dymo-Schrift.

Ei, Ei, Ei

betoneierbecherMorgenstund hat Gold im Mund. Und wir, zu früher oder später morgendlichen Stunde, gerne einmal ein Ei. Ich persönlich benötige am Morgen vor allem Kaffee und frühstücke nicht ausgiebig. Deswegen habe ich die Eierbecher für Freundinnen gemacht, die – zumindest am Wochenende – genug Zeit für ein ausgedehntes Frühstück haben.

Für die Eierbecher benötigst du (zusätzlich):

Streiche die Plastikkaffeebecher mit Speiseöl aus und fülle sie mit Beton bis ungefähr in die Hälfte. Hülle die gekochten Eier in Klarsichtfolie und drücke sie nach ungefähr einer Stunde in den trocknenden Beton. Nachdem der Beton vollständig ausgehärtet ist, kannst du die Eier problemlos entfernen (und übrigens auch noch essen).

Modularer Kerzenständer

betonkerzenständerEinfach, zweifach, dreifach. Mit drei Elementen kannst du die Lichtverhältnisse in deinem Raum stufenweise dimmen, je nachdem, wie viele Kerzen du anzündest. Eine für ein romantisches Date und drei für Weihnachten oder Abendessen mit Freunden. Die unbenötigten Kerzenständer kannst du einfach stapeln. So stehen unbenötigte Ständer nicht unschön in der Wohnung, sondern setzten sich modular zu neuen Formen zusammen.

 Für die Kerzenständer benötigst du (zusätzlich):

  • Alten Karton
  • Cutter
  • Klebefolie
  • Klebstreifen

Zeichne Formen nach deinen eigenen Vorstellungen auf Papier, übertrage sie auf Karton und schneide sie mit dem Cutter aus. Es empfiehlt sich, das Innere der Formen mit einer selbstklebenden Folie zu überziehen. So lässt sich der Beton problemlos aus der Form lösen. Ohne Klebefolie bilden sich Kartonrückständen auf dem Beton, die du nach dem Austrocknen sorgfältig mit Wasser abrubbeln musst.

May the force be with you

betonmagnete

Erinnerst du dich an den ersten “erwachsenen” Spielfilm, den du mit deinen Eltern anschauen durftest. Harrison Ford sei Dank war es bei uns die Star Wars – damals noch – Trilogie. Dieses Erlebnis lässt mich und insbesondere meine Schwester nie los. Für sie, meinen Vater und andere Star Wars Fans in meiner Umgebung habe ich Darth Vader Magnete gebastelt. Für an den Kühlschrank oder die Magnetwand oder ins Büro.

Für die Darth Vader Magnete benötigst du (zusätzlich):

Nach einer Stunde Aushärtungszeit drückst du die Magnete in den Beton. Du benötigst starke Magnete, weil der Beton selbst ziemlich schwer ist.

Remind me (I’m not perfect)

betonmemoryboardKennst du das Chaos, das gelesene und ungelesene Post im Wohnzimmer auslösen kann? Unwichtiges mischt sich mit Werbung und wichtigen Rechnungen und nach ein paar Tagen kostet es ungefähr so viel Überwindung, das Briefmaterial zu ordnen wie an einem stürmischen Tag mit dem Hund spazieren zu gehen. Seit ich unseren Reminder-Block gegossen habe, heften wir Dinge, die nicht unmittelbar wichtig sind einfach dort rein und lassen sie bis zu einem späteren Zeitpunkt liegen. Die Anleitung und das Material für den Block kannst du übrigens komplett über Crealoo bestellen.

Für den Reminder benötigst du (zusätzlich, sofern du das Material nicht bei Crealoo bestellst):

  • Papier und Drucker
  • Weissleim
  • Klammer
  • Klebefolie zum Auskleben der Form

Zeichne eine einfache Form für eine Betonplatte und drucke sie auf stärkeres Papier (ca. 200g). Giesse den Beton in das Papier, lasse ihn eine Stunde aushärten und drücke sorgfältig die Klammer in die Baumasse. Du musst darauf achten, dass du sie nicht komplett einbetonierst, sonst hat sich des Blockes Sinn erübrigt. Drucke einen Schriftzug deiner Wahl spiegelverkehrt auf normales Papier und bepinsle es mit Weissleim. Drücke es auf den Betonblock und lasse es einen Tag trocknen. Befeuchte einen Lumpen mit Wasser und rubble das Papier sorgfältig vom Beton ab. Es benötigt etwas Fingerspitzengefühl (wie die Bilder demonstrieren). Es ist mir nicht immer gelungen, nur das Papier und nicht die Schrift zu entfernen. Aber irgendwie macht das eben auch gerade den Charme aus. Insbesondere, wenn der Schriftzug so gewählt ist wie bei mir.

Fast food, slow form

betonnüsslischale

Ich bin kein Fan von Fast Food. Ich schwinge jedoch lieber mit der eigenen Holz-, als mit der unangenehmen moralischen Kelle und kann der Fast Food Industrie durchaus ein paar positive Dinge abgewinnen. Bei der Grösse der Industrie erstaunt es auch nicht, dass sie ein paar gute Ideen haben. Dazu gehört die klassische Pommes-Frites-Behälter-Form, die in Badis und Schnellimbissen und überhaupt überall verwendet wird. Ich habe diese Form in Beton nachgegossen. Für schnelle Snacks, wie Pistache- Nüssli, Chips oder ähnliches.

Für die Schalen benötigst du (zusätzlich):

  • Kartonschalen vom Supermarkt

Giesse die Hälfte einer Kartonschale voll mit Beton. Drücke eine zweite Schale hinein, bis du die gewünschte Dicke der Schale hast, ohne dass die Wände später zerbrechen. Es ist nicht ganz einfach und ich habe ein paar Versuche benötigt. Am besten ein paar Exemplare gleichzeitig giessen.

Osternest für Krisenfest

betonosternestOft fallen die offiziellen Feiertage nicht genau auf die persönlichen Festtage. Die Gemütsstimmung folgt nun mal nicht einem Kalender. In Anlehnung an die Schalen oben habe ich ein Osternest gebastelt, für Freunde, die gerade etwas herumeiern oder sich in schwierigen Zeiten befinden.

Für das etwas andere Osternest benötigst du (zusätzlich):

  • Schoggieili
  • Grillspiesse
  • Dymo

Ich habe die zwei Aussagen „Schoggi ist immer richtig“ und „Richtig ist nicht immer Schoggi“ mit Dymo gestempelt (Achtung: für die erste Aussage die richtige Anzahl Leerzeichen berücksichtigen) und miteinander um die Spiesse herum verklebt. Die Spiesse habe ich einfach in zwei Schoggieili gesteckt.

Will you carry me?

betonringNeben Marylin Monroe ist Audrey Hepburn eine weitere ikonische weibliche Schauspielerin, die das heutige Frauenbild noch immer mitprägt. Nicht jede Frau jedoch benötigt einen Ring à la Tiffany’s. Ich zum Beispiel trage gerne grössere und auffälligere Ringe und habe keinerlei Ansprüche an/auf einen Verlobungsring. Deswegen giess ich mir meinen Ring einfach selbst.

Für den Fake-Verlobungsring benötigst du (zusätzlich):

Sprinkling Stars

betonsticksIch bin ja eher der chaotische Typ und lebe insbesondere in meinem Büro nach der Maxime: „Das ist keine Unordnung – hier liegen nur überall Ideen herum“. Gegen hübsche, schreibtischverschönernde aber unbedingt brauchbare Gadgets habe ich jedoch nichts einzuwenden. Die Beton-Sternen mit Klammerfunktion sind ideal, um Karten oder wichtige Reminders in dein Blickfeld zu rücken.

Für die Sprinkling Stars benötigst du (zusätzlich):

Die Klammern drückst du wie bereits erwähnt in den austrocknenden Beton. Für den gesprenkelten Effekt habe ich Acryl-Farbe auf eine Zahnbürste gegeben und auf die kleinen Sterne gespritzt.

The dark force always strikes back

betontürgriffeWie die Macher von Star Wars – der 7. Teil erscheint diesen Dezember – kann auch ich die Finger nicht vom Motiv des berühmten Bösewichten lassen. Um Kommoden, Schränke oder Schubladen einen Vader-Look zu verpassen, habe ich Türknaufe gegossen.

Für die Türknaufe benötigst du (zusätzlich):

Für die richtige Schraubengrösse am besten den ursprünglichen Griff abschrauben und in den Baumarkt mitnehmen. Die Auflegeblättchen dienen dem Schutz der Holzmöbel.

Vergänglich zementiert

betonvasenMein allerliebstes Beton-Projekt verbindet die Festigkeit und Starrheit von Beton mit der Vergänglichkeit blühender Blumen und war ein Geschenk für meinen Freund. In unterschiedlichen Kombinationen setzen wir unsere Vasen jedes Wochenende mit frischen Rosen, Tulpen, Ranunkeln oder Zweigen in Szene.

Für die Blumenvasen benötigst du (zusätzlich):

  • Alte Putzmittel/Abwaschmittel/Saft/…-Flaschen
  • Speiseöl und Pinsel
  • Plastik-Reagenzgläser
  • Malerklebeband
  • Bücher zum Beschweren
  • Cutter

Sammle alte Plastikflaschen aller Art bis du ein paar Stück zusammen hast. Die Vasen wirken in Kombination schöner. Schneide den engen Flaschenhals mit einem Cutter ab. Rühre für dieses Projekt viel Beton an und fülle die Flaschen bis fast an den oberen Rand. Drücke dann ein Reagenzglas hinein, klebe es mit Malerklebeband am Rand fest und beschwere es mit einem dicken Buch, damit es nicht aus der Form gedrückt wird. Nach dem Austrocknen kannst du die Formen sorgfältig mit einem Cutter aufschneiden.

The artist makes things CONCRETE and gives them individuality! Have fun!

4 Gedanken zu „Zementieren geht über Studieren

  1. beton 😀 (ich erhol mich glaubs nümm 😀 :D)
    du bisch wältklass! 🙂
    und ich WIL UNBEDINGT sonen Diamant!!! — UND darth vader am chaschte!!! — UND de Ring!!!
    igendwo staubt bi mir glaubs auna chli zemänt vor sich hi 🙂
    hach ❤
    wird wohl ziit ändlich wider über s babychleiderstämple hinwegzcho ;P

  2. Pingback: 17: Bucket List | mein [t]raum

  3. Pingback: 22: Sag mir, wo die Blumen sind | mein [t]raum

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