Darwin’s Prachtexemplare

Neulich, es war einer der wenigen Sommertage im Juli, sass ich voller Vorfreude auf einen Feierabendschwumm im Bus. Die warme Luft einatmend. Die Sonne durch die Scheibe suchend. Mit einem Ohr der Konversation meiner Sitznachbarn lauschend: „Gopf, es isch wahnsinnig tüppig, die Temperature mached mich total schlapp…!“ – Keine halbe Stunde später lag ich abgekühlt und erfrischt von dem verdienten Sprung in die Limmat auf meinem wunderschönen neuen Badetuch. Die Augen geschlossen. Die Beine und Arme von mir gestreckt. Mit einem Ohr der Konversation meiner Liegenachbarn lauschend: „Ich weiss au nöd, aber das Wasser tunkt mi schampar chalt, isch gar nöd luschtig, sich im Fluss triibe zlah…!“ – Natürlich veranlasste dieser schöne Sommertag zu einem Nachtessen in der Gartenbeiz. Und so sass ich, hungrig, die letzten Sonnenstrahlen im Gesicht, im grünen und lauschigen Aussenbereich des Gartenhofes. Meine Nase in die Speisekarte gesteckt. Die laue Abendluft geniessend. Mit einem Ohr der Konversation meiner Tischnachbarn lauschend: “Sägmal, chönd die nöd en Sunneschirm uufspanne, d‘Sunne schiint mir direkt is Gsicht und es blendet mi voll…“. – Kurz vor Mitternacht lag ich endlich in meinem Bett, über die Ereignisse des Tages sinnierend, auf den Schlaf wartend. Erholt und zufrieden dank des schönen Tages. Mit einem Ohr den Gedanken in meinem Kopf lauschend: „Sind wir Menschen so schlecht anpassungsfähig? Es scheint, als ob wir uns nie an das Wetter, an die Geräuschkulisse, an unsere Umgebung, an unsere Mitmenschen gewöhnen. Wieso ist es uns immer zu kalt, zu warm, zu laut, zu eng, zu dunkel, zu hell…?“ Und plötzlich erschien mein Mikrobiologie-Professor vor meinem inneren Auge. Wie er in einem halbstündigen Referat mit Begeisterung von Thermus aquaticus geschwärmt hat. Thermus aquaticus, wie sein Name vermuten lässt, ist ein Bakterium, das sich an Temperaturen von bis zu 80°C gewöhnt hat. Den Überlebenskünstler vor Augen beschloss ich, mich auf die Suche nach weiteren Exemplaren aus dem Tierreich zu machen, die uns Menschen an Anpassungsfähigkeit so einiges voraus haben. Darwin hätte seine helle Freude. Und wir vielleicht ein Vorbild in Situationen, über die sich zu Beklagen doch eigentlich viel zu schade sind.

Saunagänger

Bist du im Sommer stets verschwitzt? Meidest du die Wärme und fühlst dich im oder auf dem Wasser, im Schatten oder klimatisierten Räumen wohler? Reist du lieber nach Skandinavien als gen Süden? Nicht so die nachfolgenden Tiere, die jedem Hitzeschock widerstehen und sich auch von Höchsttemperaturen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

weisserwüstenkäferWeisser Wüstenkäfer (Onymacris plana) – Der weisse Wüstenkäfer, der ironischerweise zu der Familie der Schwarzkäfer gehört, lebt ausschliesslich in den Sanddünen der Namib-Wüste. Mit seinen Stelzenbeinen bewahrt er einen angenehmen Abstand zu dem bis zu 80°C heissen Sand. Die langen Beine ermöglichen dem Käfer ausserdem, sich schnell fortzubewegen, und sich im Sand einzugraben, um sich von der Hitze zu schützen. Die schwarze Körperoberfläche des Käfers ist in unterschiedlichem Ausmass durch einen Wachsüberzug weiss gefärbt, abhängig von der Temperatur seines Habitates: Tiere aus  nebelbeeinflussten Küstengebieten weisen eine schwarze, ihre Artgenossen aus dem Landesinneren eine überwiegend weisse Färbung auf. Der Überzug bietet Schutz gegen Wasserverdunstung und schützt den Käfer damit vor Austrocknung.

seitenwinderklapperschlangeSeitenwinder-Klapperschlange (Crotalus cerastes) – Die Seitenwinder-Klapperschlange erreicht eine durchschnittliche Länge von 45cm bis 65cm und lebt in ariden Wüsten und halbariden Steppenregionen im Südwesten der USA und im nördlichen Mexiko. Die Seitenwinder-Klapperschlangen haben eine von normalen Schlangen abweichende Methode der Fortbewegung entwickelt: Sie bewegen sich seitlich in S-Form fort. Mit dieser Schlängelbewegung können sie deutlich höhere Geschwindigkeiten erreichen. Ausserdem schützt sich die Schlange so vor der übermässigen Hitze des Bodens, da bei der seitlich windenden Fortbewegung nur wenige Punkte des Körpers auf dem Boden aufliegen. Das Gift der Schlange vermag übrigens Säugetiere bis zu 15kg zu töten, ist für uns Menschen also nicht lebensgefährlich.

haariger wüstenskorpionHaariger Wüstenskorpion (Hadrurus arizoniensis) – Der haarige Wüstenskorpion lebt vorwiegend in der Sonora-Wüste und ist mit 15cm Körperlänge die grösste in der USA lebende Skorpionart. Ähnlich wie der weisse Wüstenkäfer hat der Skorpion eine dicke Wachschicht als Verdunstungsschutz. Ausserdem sind die Tiere ausschliesslich nachtaktiv und verbergen sich am Tag unter Steinen oder in selbst gegrabenen Erdhöhlen in bis zu 2.5m Tiefe, um der starken Sonneneinstrahlung zu entgehen und von möglichst optimaler Luftfeuchtigkeit umgeben zu sein. Um ihre Spermien und Eier vor Austrocknung zu schützen, verüben sie während der Fortpflanzung einen charakteristischen, manchmal viele Stunden andauernden Paarungstanz – der nicht selten mit dem Verzehr des Männchens endet.

Pyrococcus_furiosusPyrococcus furiosus – Pyrococcus furiosus ist eine thermophile, das heisst hohe Temperaturen bevorzugende, Archaeenart. Archaeen sind – mein Mikrobiologieprofessor würde mir für diese Aussage eine glatte Eins schreiben, aber für Normalsterbliche – in etwa das gleiche wie Bakterien. Unter dem Mikroskop entpuppen sich die Organismen als 0,8µm bis 1,5µm grosse Kokken mit Flagellen. Ihre optimale Wachstumstemperatur liegt bei 100°C, also kochendem Wasser. Unter diesen Bedingungen können sie sich in weniger als 40 Minuten teilen, das heisst ungeschlechtlich vermehren. Sein Name verdankt der Mikroorganismus seinen Eigenschaften und seiner Gestalt: Pyrococcus, griechisch für “Feuerbeere”, beschreibt seine runde Gestalt und Thermophilie. Furiosus, lateinisch für “rasend”, deutet seine Fortpflanzungspotenz an.

Verfügst du nicht über traumhaft lange Modelbeine und magst es nicht, dich mit Kerzenwachs zu übergiessen? Oder dich ungeschlechtlich in einer Sauna zu vermehren? Anpassungstipps für Menschen, die stets zu heiss haben: Fächer sind platzsparende, unter Umständen stylische, Erinnerungen weckende (Urlaub in Thailand, Korea,…) und effektive Accessoires, die garantiert Abhilfe verschaffen; Feierabendschwumm im nahe gelegenen kühlenden Fluss oder See oder falls nicht vorhanden in der Badewanne; Schichtenlook tragen, ist immer mal wieder in Mode und man kann sich einfach eines Kleidungsstückes entledigen und Schweissflecken vorbeugen; Ventilatoren im Schlafzimmer helfen bei Hitzerekorden einzuschlafen; eisgekühlten, selbstgemachten Holunderblütensirup geniessen.

Schneemänner

Bist du stets in sieben Schichten Kleider gehüllt? Heissen deine Jahreszeiten Frühling Sommer Herbst und Arschloch? Läuft deine Heizung stets auf Hochtouren? Die nachfolgenden Tiere haben es geschafft, sich an Temperaturen anzupassen, die bei uns bloss in Gedanken Fröstelanfälle auslösen.

pinguinePinguine (Spheniscidae) – Pinguine sind flugunfähige Seevögel der Südhalbkugel und durch verschiedene anatomische Merkmale den eiskalten Badetemperaturen angepasst. Zur Wärmeisolation besitzen sie eine bis 3cm dicke Fettschicht, über der sich drei wasserdichte Schichten kurzer, dicht gepackter und gleichmässig über den ganzen Körper verteilter Federn befinden. Die feinen Daunen enthalten unzählige Luftblasen, die den Körper der Pinguine vor Kälte isolieren. Ausserdem besitzen die Tiere hoch entwickelte Wärmesysteme in ihren Flossen und Beinen: Das warme, vom Herzen eingepumpte Blut gibt seine Wärme zu einem grossen Teil an das kühlere in den Körper zurückströmende venöse Blut ab. So werden Wärmeverluste minimiert und die Füsse auf Umgebungstemperatur abgekühlt.

waldfroschWaldfrosch (Rana sylvatica) – Der Waldfrosch, auch Eisfrosch genannt, verdankt seinen Übernamen seinen Verbreitungsgebieten: feuchte Wälder im Norden und Osten der USA, in Alaska und Kanada, bis weit über den nördlichen Polarkreis hinaus. Der Überlebenstrick des Frosches ist simpel und süss: Zucker. Im Winter steigt der Blutzuckerspiegel des Waldfrosches auf bis das zu 250-fache des natürlichen Wertes an, dadurch bleiben die Körperzellen auch bei Minusgraden intakt. Funktionen wie Herzschlag, Blutfluss und Atmung setzen in dieser Phase völlig aus. Der Eisfrosch friert sich im Winterhalbjahr regelrecht selbst ein und taut erst im Frühjahr bei milderen Verhältnissen wieder auf. Während dieses Kälteschlafs beträt die Körpertemperatur des Waldfrosches in der Regel zwischen -1°C bis -6°C.

eisbärEisbär (Ursus maritimus) – Der Eisbär, ein altbekanntes Tier aus unserer Kindheit (Der kleine Eisbär Lars), eine Gallionsfigur des Klimawandels und Wappentier zahlreicher nordischer Staaten oder Provinzen ist das grösste an Land lebende Raubtier der Erde. Erwachsene männliche Eisbären erreichen im Durchschnitt eine Kopf-Rumpf-Länge von ca. 2,60m, in Einzelfällen sogar von bis zu 3,40m. Im Kampf gegen die tiefen Temperaturen verlassen sich die Eisbären auf ihr dichtes, öliges und wasserabweisendes Fell und ihre Hautfarbe. Die hohlen Fellhaare erzeugen ein wärmendes Luftpolster und die schwarze Haut des Eisbären schluckt die wärmenden Sonnenstrahlen. Ausserdem befindet sich unter dem Fell eine 10cm dicke Fettschicht, die zusätzliche Isolation bietet und den Auftrieb beim Schwimmen erhöht.

Missfällt dir der Gedanke, dich mit Zucker vollzupumpen und einfrieren zu lassen? Oder dir eine 5cm dicke Fettschicht anzufressen? Und bist du von Natur aus bleich? Anpassungstipps für Menschen, die stets zu kalt haben: ein warmes Entspannungsbad geniessen und danach direkt ins Bett liegen; mit im Ofen gewärmtem Hirse- oder Kirschkernkissen einschlafen, oder einer Bettflasche; Mützen tragen, sieht cool aus und schafft enorme Abhilfe; Ingwertee mit Honig trinken, für einen intensiven Geschmack den Ingwer mit dem Wasser aufkochen; Glühwein selber machen und selber trinken; gelegentlich ein „Dance the warm up“ tanzen.

Bergsteiger

Zittern deine Knie allein beim Gedanken an den Bachtelturm? Brauchst du drei Gin Tonic, um überhaupt einen Fuss in ein Flugzeug zu setzen? Völlig schwindelfrei geniessen die nachfolgenden Tiere ihr Leben in luftigen Höhen.

andenkondorAndenkondor (Vultur gryphus) – Andenkondore sind mächtige, massige, schwarze Greifvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 3.5m. Und mit ihrem nackten, rötlichbraunen Kopf und einem wulstigen Kamm auf der Kopfoberseite nicht unbedingt die Schönheitskönige unter den Vögeln. Man trifft den Vogel in Höhen von über 7000m in den Lüften über den Anden an, die ihm seinen Namen verliehen haben. Einem Segelflugzeug gleich gleitet der Kondor mit seinen gefingerten, brettartigen Flügeln und Geschwindigkeiten von bis zu 55km/h durch die Luft. Der Andenkondor ist ein Aasfresser (Kühe, Bergziegen, Schafe), seinem kargen hochalpinen Lebensraum angepasst kann er jedoch bis zu eineinhalb Monate lang ohne feste Nahrung und Wassser auskommen.

sperbergeierSperbergeier (Gyps rueppellii) – Sperbergeier sind monogame Vögel, die lebenslang mit demselben Partner verbringen und an Kopf, Hals, und Füssen weiss befiedert sind. Der Gypsi-Rüppel (was für ein herrlicher lateinischer Name) wagt sich noch viel höher als der Andenkondor, er schaut sich gerne einmal Flugzeuge in über 11’000m an, eine Rekordhöhe unter Greifvögeln. Sperbergeier sind trotz ihres hohen Gewichtes gute Flieger, die die Thermik geschickt ausnutzen und mühelos und kräftesparend gleiten. Dennoch ist bis heute weitgehend unklar, wie die Tiere mit dem in grossen Höhen spärlich vorhandenen Sauerstoff die zum Fliegen erforderliche Muskelkraft aufbringen können.  Der Geier ist übrigens sehr gesellig und reist deshalb öfters in grossen Gruppen. Macht den Höhenflug ja auch gleich viel lustiger.

gletscherflohGletscherfloh (Desoria saltans) – Gletscherflöhe sind 1,5mm bis 2,5mm grosse Sechsfüssler, die auf Schneeoberflächen durch ihre dunkle Körperfärbung, ihre hüpfende Fortbewegungsweise und durch massenhaftes Auftreten auf sich aufmerksam machen. Sie verfügen über ein zusätzliches Fortbewegungsorgan, einen Sprungapparat, den sie mit speziellen Muskeln vorschnellen lassen können. Mit Hilfe unterschiedlicher Zucker produziert der Gletscherfloh eine Art Frostschutzmittel, das ihm ein Überleben bei 10°C bis 15°C unter Null ermöglicht. Ausserdem entleert sich sein Magen bei grosser Kälte, damit sich an den Feststoffen im Körperinnern kein Eiskristallwachstum einstellen kann. Temperaturen über 12°C sind für Gletscherflöhe tödlich, ihre bevorzugte Umgebungstemperatur liegt um 0°C.

chlamydomonasnivalisChlamydomonas nivalis – Chlamydomonas nivalis sind einzellige, frei bewegliche Grünalgen, die zwei Geisseln (Schwänze) tragen. Die Mikroalgen wachsen in Gletschergebieten und sind meist ellipsoid und 10µm bis 20µm lang. Sie sind durch verschiedene Carotinoide – natürliche Farbstoffe, wie sie auch im Rüebli vorkommen – rot gefärbt und verursachen in grosser Gesellschaft den Blutschnee, ein rötlich gefärbter, nasser Altschnee, der ausschliesslich in Hochgebirgen und Polargebieten während der Sommermonate anzutreffen ist. Im englischen Sprachraum wird dieses Phänomen, viel schöner als im Deutschen, „watermelon snow“ genannt. Die Alge produziert die Carotinoide unter ungünstigen Umweltbedingungen zu ihrem Schutz vor starker UV-Strahlung und starker Lichtreflexion, wie sie in hoch gelegenen Schneegebieten herrschen.

Wirst du unpässlich, wenn du einen halben Tag nichts essen kannst? Beträgt deine Armspannweite weniger als zwei Meter? Und entleert sich dein Magen nicht spontan bei grosser Kälte? Anpassungstipps für Menschen, die unter Höhenangst leiden: Singen beim Erklimmen von Bergen und Türmen, in unserer Kindheit hat uns das Lied „Öngillometreapie“ stets beflügelt; vor dem nächsten Flug mehr Gin Tonics trinken, oder Meditationstechniken ausprobieren,  (hilft alles nichts sagen Angstexperten auf diesem Gebiet); ergo Höhen vermeiden – Zugfahren und Rundwanderungen im Flachland geniessen.

Tiefseetaucher

Ist Schnorcheln für dich das Höchste der Gefühle im Wasser? Kriegst du eher Tiefenpanik als Tiefenrausch? Hast du bereits als Kind Ringlitauchen im Schwimmunterricht gehasst? Die nachfolgenden Tiere verlieren auch in den tiefsten Tiefen der Ozeane nicht die Orientierung.

pompejwurmPompejwurm (Alvinella pompejana) – Der Pompejwurm ist ein ca. 13cm langer Ringelwurm, der in der Tiefsee in hydrothermalen Quellen lebt. Er baut papierdünne Wohnröhren nur Zentimeter entfernt vom Austritt kochend heisser Giftbrühe aus Schwefelwasserstoff, Ammoniak und Schwermetallen. Als Schutzmechanismus ist die Rückseite des Wurmes mit einem Mantel aus mehr als 30 Bakterienarten überzogen, die ihm hitzetolerante Enzyme zur Verfügung stellen und Sulfide und Schwermetalle entgiften. Die Eier des Wurmes gehen bei 2°C, die normale Wassertemperatur in der Tiefsee, in einen Ruhezustand über, um mit der Strömung über weite Strecken transportiert zu werden. Erst wenn sie wieder in der Nähe einer heisser Quelle landen, leitet der Wärmeimpuls die Weiterentwicklung der Eier ein.

beilfischBeilfisch (Sternoptychidae) – Der Beilfisch ist ein bis zu 14cm grosser Tiefseefisch. Auch er gewinnt mit seinem plumpen Körper mit deutlich abgesetztem Schwanzstiel und seinem oberständigen Maul nicht unbedingt einen Schönheitswettbewerb. Muss er auch nicht, denn er schwimmt in Lebensräumen mit marginalem Restlich in bis zu 1000m Tiefe. Er verfügt über leistungsstarke, nach oben gerichtete Augen, die ihm ermöglichen, möglichst viel des spärlich vorhandenen Lichtes einzufangen. Gleichzeitig ist er flach, ohne Schuppen, und hat silbrige Körperflanken, so dass er nahezu unsichtbar mit seiner Umgebung verschmilzt. An der Bauchseite des Beilfisches findet man eine Reihe von Leuchtorganen. Das bläuliche Licht an seiner Unterseite tarnt den Fisch, wenn Räuber von unten gegen das schwache Licht der fernen Oberfläche nach Beute suchen.

pottwalPottwal (Physeter catodon) – Pottwalbullen sind mit einer Länge von bis zu 18m und Gewichten von bis zu 50 Tonnen die grössten bezahnten Tiere der Erde. Pottwale, insbesondere die männlichen Tiere, können 20 bis 80 Minuten in Tiefen bis zu 3000m tauchen. Dabei schränken sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum ein und durchbluten lediglich die lebenswichtigsten Organe, also Herz, Gehirn und Rückenmark. Sie können in ihrem Blut, das einen 50% höheren Hämoglobinanteil als das menschliche Blut aufweist, und in ihren Muskeln einen grossen Sauerstoffvorrat speichern. Während des Tauchvorgangs schlägt ihr Herz nur noch halb so schnell wie an der Oberfläche. Mit Hilfe einer ölartigen Flüssigkeit, die durch den Kopf des Pottwales fliesst, kann er dem gewaltigen Druck standhalten, der in der Tiefsee herrscht.

Möchtest du keine Bakterien Huckepack tragen? Oder Öl ins Gehirn und Blut aus dem Körper pumpen? Anpassungstipps für Menschen, die sich lieber im seichten Wasser aufhalten: in den Ferien einen Tauchkurs buchen und in entspannter Atmosphäre Schritt für Schritt tauchen lernen, und die Schönheiten der Unterwasserwelt kennen lernen, oder wie ich, einfach beim Schnorcheln bleiben; den grossartigen Film „Le grand bleu“ ansehen, von Luc Besson mit Jean Reno; nie andere Menschen tünkeln, weil Rache ist süss, überhaupt sich nicht mit Jungs zwischen 10 und 30 Jahren ins Wasser wagen; auf dem Wasser statt unter dem Wasser schwimmen, z.B. mit aufblasbaren Tieren, Ringen, Luftmatratzen.

Discokinder

Hast du Angst vor Keller und Estrich? Beschleicht dich ein Gefühl von Unwohlsein, wenn in einem Zimmer oder Saal plötzlich die Lichter ausgehen? Schläfst du mit Nachtlicht oder offener Türe? Die folgenden Tiere zeigen dir, wie auch du ein Nachtschwärmer wirst.

haiHai (Selachii) – Haie leben in allen Weltmeeren, oft in Küstennähe mit riesigem Nahrungsangebot, aber auch in der Hoch- und Tiefsee. Die Augen des Hais sind zehn Mal lichtempfindlicher als die eines Menschen und befinden sich an den Kopfseiten, so dass der Hai in fast alle Richtungen blicken kann. Er sieht auch bei Nacht und in der Dämmerung ausgesprochen gut, weil er hinter seiner Netzhaut eine Art Restlichtverstärker hat, das Tapetum lucidum. Es besteht aus einer Schicht winziger spiegelähnlicher Kristalle, die das wenige Licht, das durch die Netzhaut gelangt wieder auf die Rezeptoren zurück wirft. Bei Tageslicht schützt ein Schleier vor den Augen die Netzhaut vor Überbelichtung. Hochseehaie haben ausserdem vor ihren Augen eine Nickhaut, die sie bei Bedarf hochfahren können, um ihre empfindlichen Augen vor hellem Licht zu schützen.

eurasischermaulwurfEurasischer Maulwurf (Talpa) – Der Maulwurf verbringt nahezu sein gesamtes Leben in selbstgegrabenen, unterirdischen Gangsystemen bis zu 1m unter der Erdoberfläche. Er ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und lebt vorwiegend einzelgängerisch. Anatomisch ist er hervorragend an seine unterirdische Lebensweise angepasst: seine Vorderbeine sind gross und haben aussergewöhnlich kräftige Muskeln. Seine Grabhand ist breit, flach und nach aussen gekehrt und in der Handfläche befindet sich das Sichelbein, ein Knochen, der die Hand verbreitet und kräftigt. Sein Fell bestehend aus dichten Haaren, die in alle Richtungen wachsen, ermöglicht ihm einen mühelosen Rückwärtsgang. Er orientiert sich mit hoch entwickelten Tast- und Geruchssinnen in der Schnauze, mit den Augen kann er lediglich hell und dunkel unterscheiden.

fledermausFledermäuse (Microchiroptera) – Fledermäuse sind in der Regel nachtaktive Tiere. Zum Schlafen ziehen sie sich in Höhlen, Felsspalten, Baumhöhlen oder menschengemachte Unterschlupfe (Dachböden, Ruinen, und ähnliches) zurück. Nach Sonnenuntergang fliegen sie aus ihren Wohnquartieren und machen sich auf die Suche nach ihrer Leibesspeise, den Insekten. Um sich auch im Schwarz der Nacht orientieren zu können, haben die Fledermäuse ein faszinierendes Echo-Ortungssystem entwickelt. Sie stossen während des Fluges laufend Schreie im Ultraschallbereich aus, um ihre Umgebung über den Hörsinn zu erkunden. An den zurückgeworfenen Echos erkennen die Fledermäsue jedes noch so kleine Beutetier. Das Ortungssystem vermag sogar Drähte von bis zu 0.1mm Durchmesser zu erkennen.

grottenholmGrottenholm (Proteus anguinus) – Der Grottenholm ist wohl eines der grüsligsten Lebewesen, die in der Dunkelheit leben, vorwiegend in Ruhigwasserbereichen unterirdischer Flusssysteme innerhalb von Karsthöhlen. Der Körper des Grottenholms ist seiner Umgebung angepasst aalförmig und ohne Farbpigmente, weshalb er rötlich-weiss-durchsichtig (und deswegen so grüslig) erscheint. Die Gliedmassen sind reduziert und seine Augen sind verkümmert und er besitzt an den Seiten des Kopfes Kiemenbüschel, die ihm das Atmen unter Wasser ermöglichen. Die Orientierung erfolgt über den Geruchs- und Gehörsinn sowie mit Hilfe von Seitenlinienorganen wie sie bei Fischen vorkommen. Der Grottenholm kann jahrelang ohne Nahrung auskommen und hat eine Lebenserwartung von bis zu 70 Jahren.

Möchtest du lieber farbig als schwarz-weiss sehen? Liegt deine Stimme eher im Bereich des Bariton als im Ultraschallbereich? Möchtest du nicht zu einem durchsichtig schimmerndem Menschen werden? Anpassungstipps für Menschen, die Dunkelheit meiden: Reflektierende, spickende Armbänder aus den 80er-Jahren tragen, die werden bestimmt bald wieder modisch; Kerzen anzünden; Nachtlichter installieren, am liebsten selbst gemacht; in der Nacht stets Velo fahren und/oder zu zweit unterwegs sein; niemals der grossen Schwester glauben, wenn sie von Monstern im Keller oder Estrich erzählt (sorry, Milena!).

Also, liebe Busnachbarn, Mitschwimmer, Tischnachbarn, wir haben so viele lustige, entspannende, kreative Möglichkeiten, uns an unsere Umwelt anzupassen. Lasst uns doch versuchen, jene Aspekte der Umwelt, die wir nicht verändern können, so zu nehmen, wie sie sind und das beste daraus zu machen. Nicht das mir das immer gelingen würde.  Aber Kerzen, Velo, Gin, Bettflasche und Fächer liegen bereit.

Quellen und weiterführende Links:
[1] Portal wissen.de
[2] Brock Mikrobiologie Buch – der Wälzer und Klassiker
[3] Wikipedia (immer verwendet, nie zitiert)

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