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Es gibt wahrscheinlich einige Geschenke, die Menschen von jung bis alt gleichermassen begeistern. Wimmelbücher vielleicht, Kinderüberraschungseier oder Steinschleudern und Lego, die letzteren zumindest die männlichen Repräsentanten unserer Gattung. Und wie ich neulich festgestellt habe: Matrjoschkas. Die ineinander schachtelbaren, russischen Puppen bieten Spiel, Spass  und Spannung und setzen die Konzepte von Raum und struktureller Wiederholung in ungewöhnlicher Mannier um. Klassisch handgefertigte Puppen bestechen durch präzise Malerarbeit und starke Farben, modernere Versionen mit originellen Motiven erhöhen den Rätselspass um die verborgenen Figuren und selbstbemalbare Verschachtelungsets erwecken die kleine Künstler-Matrjoschka in jeder Person. Aus gegebenem Anlass haben wir das offensichtlich vergnüngliche Prinzip in unserem neulich gegründeten Bastelgrüppchen auf den Galionsgegenstand der Ostern, auf das Ei, übertragen.

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Would you be my 1st of February?

In zwei Wochen ist Valentinstag und wenn ich durch die Läden bummle, durch Zeitschriften blättere, Newsletter erhalte oder Werbeplakate betrachte, geht es mir wohl so wie einigen von euch in der Weihnachtszeit: ich sehe nichts als eine Industrie, die einen x-beliebigen Tag, eine aus den USA importierte Tradition vermarktet. Im Gegensatz zu der Geburt einer religions- und gesellschaftsprägenden Figur, die zwar bezüglich des genauen Datums fehlerhaft sein mag (oder angezweifelt werden darf), aber vom Prinzip her tatsächlich auf nur einen Tag im Jahr fällt (wer hat schon mehrmals pro Jahr Geburi?), scheint es mir geradezu widersprüchlich und im höchsten Masse unromantisch, den Tag der Liebe nur einmal pro Jahr zu feiern. Nur einmal pro Jahr Blumen zu schenken und „ich liebe dich“ zu hauchen, sich schick für ein Abendessen zu machen und Pralinen zu geniessen. Ist nicht vielmehr jeder Tag der richtige Zeitpunkt, um „ich mag dich zu sagen“ und es ebenso zu zeigen?

Manchmal ist es schön, Liebesbekundungen mit einem kleinen Geschenk zu unterstreichen. Während gängige Werbespots von Schokolade bis zu einem Hornhautentferner (!) als Geschenk für die Liebsten so in etwa alles anpreisen, empfehle ich Aufmerksamkeiten und Projekte, die länger währen als einen Moment. Die uns daran erinnern, dass wir zusammengehören, wenn wir uns entfernen, die uns Raum geben, wenn wir uns auf den Füssen herumtreten, die uns das Gefühl des „uns“ geben. Denn was gibt es Schlimmeres in einer Beziehung als Einsamkeit in der Zweisamkeit.

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Listen (to you)

Zu Beginn eines neuen Jahres ist die Vielfalt an Meinungen zu Listen für gewöhnlich relativ beschränkt. Hätten die Meinungen Farben so wären sie entweder schwarz oder weiss, Grauschattierungen existieren kaum. Entweder man schreibt sich eine Fülle an Neujahrsvorsätzen, die man kaum je einhalten mag, oder man lehnt gute Vorsätze und die Möglichkeit, kleine positive Veränderungen im Alltag zu initiieren, kategorisch ab. Ich persönlich habe ein ambivalentes Verhältnis zu Listen: ich kann ohne sie nicht gut leben und sie sind Bestandteil meines Alltags. Auf der anderen Seite übe ich mich auch darin, etwas weniger Organisation und Planung in mein Leben zu bringen. Dass Listen nicht nur für Pedanten, Bünzlis und Unspontane sind (gottseidank, da kann ich ja innerlich aufatmen), habe ich in dem wunderbaren Heft Flow zum Thema Achtsamkeit gelesen, das ich von meiner Freundin Nicola als Weihnachtsgeschenk erhalten habe. Listen ermöglichen, die eigenen Gedanken zu ordnen, sie festzuhalten und damit manchmal vielleicht auch loszulassen oder (temporär) zu vergessen und Platz für neue Ideen zu schaffen. Inspiriert vom Artikel habe ich meine eigenen Vorlagen für Listen für das 2016 zusammengestellt, die nun, anstatt auf diversen losen Blättern und in verschiedene Büchlein verteilt, schön zusammen an einem Ring hängen. Und die darauf warten, gefüllt zu werden. Wer weiss, vielleicht müssen sie sehr lange warten, je nachdem welche Grauschattierungen meine Ordnungs-, Planungs-, Gedanken- und Gefühlswelten eben annehmen werden.

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24: Entspanne in der Wanne

Normalerweise ist die Weihnachtszeit für mich mittunter eine der schönsten im Jahr und das bunte Treiben vielmehr Spass als Stress. Für viele Personen allerdings – und dieses Jahr kann ich sie besser verstehen denn je – bergen diese Tage nicht nur ungetrübte Freude, sondern eben auch eine grosse Belastung. Die Gründe für die vorweihnachtliche Hektik sind vielfältig: Guetzli wollen gebacken, Geschenke besorgt und verpackt werden, man muss Weihnachtskarten schreiben, für das Festessen einkaufen und die Wohnung auf Vordermann bringen. Kommt zusätzlich Jahresabschlussstress im Büro dazu, sind wir ziemlich ausgelaugt und laufen mit strapazierten Nerven in die Endrunde ein. Wir sind gereizt, fassen bereits kleinste Andeutungen als herbe Kritik auf und haben wenig Geduld für die Macken unserer Familienangehörigen. Hinzu kommen unterschiedlich (hohe) Erwartungen an die Gestaltung und Ablauf der Festtage und ein gesteigertes Harmoniebedürfnis, das nicht immer gestillt werden kann. Gemäss Psychologen im Netz kann man diese Belastung allerdings „einfach“ vermeiden, wenn man ein paar wenige Tipps beherzigt. Genannt werden zum Beispiel „Sorgen Sie für ein optimales Zeitmanagement“ – Merci, das weiss ich schon, gelingt mir aber das ganze Jahr hindurch nicht. „Laden Sie Gäste oder Familienmitglieder zu unterschiedlichen Zeiten und nicht alle gemeinsam ein“ – Tante Ida, wir begrüssen dich dann gerne im Juni zu unserem Weihnachtsfeste (?). „Familienmitglieder sollten sich darauf einigen, Grundsatzdiskussionen an diesem besonderen Abend zu vermeiden“ – Schon früh gelernt: je mehr man ein Thema zu unterdrücken versucht, desto eher landet es, oft von Trommelwirbeln begleitet, auf dem Tisch. Meine Tipps sind ein wenig pragmatischer: 1) Zerbrich dir nicht den Kopf über Geschenke und kaufe sinnlose Ware für deine Freunde und Familie, ein liebes Kärtchen bedeutet genauso viel. 2) Versuche nicht notgedrungen, alle Arbeiten vor Weihnachten zu erledigen. Im Januar ist noch genügend Zeit vorhanden, um deine „To-Do-Liste“ abzuarbeiten. 3) Schreibe dir für jedes Familienmitglied auf, was du besonders an ihm/ihr magst und sei es die sich wiederholenden Witze beim alljährlichen Bingo. Überlege dir, weshalb dich ihre Macken stören. Einsicht in deine Gefühle ist die halbe Miete für ein innerlich entspanntes Beisammensein. 4) Gönne dir Auszeiten, sei es auf einem langen Spaziergang, mit einem spannenden Buch im Bett, oder in der Badewanne. Für eine solche Kurzentspannung am heutigen Tage und für eine erholsame Nachweihnachtszeit verschenke ich heute ein Entspannungsset für die Badewanne. Und wünsche euch mit diesem Abschlussbeitrag ein durch und durch entspanntes Weihnachtsfest.

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23: A l’apero

Für meine deutschen Kollegen, die mich bei unseren seltenen Treffen gerne liebevoll (?) Schweizerli nennen und für alle anderen Interessierten möchte ich an dieser Stelle ein für allemal klar stellen, dass „ein Apéro“ nicht das Modegetränk Aperol Spritz meint, sondern eine lange verankerte Tradition in unserem Lande. Wikipedia definiert: Ein Apéro ist ein gesellschaftlicher Brauch in Frankreich und der Schweiz, der Genuss und Geselligkeit verbindet. Ein Apéro kann vor dem Essen oder oft zu Beginn oder am Ende von Veranstaltungen oder festlichen Anlässen stattfinden. Ein Anlass also, der sich gerade in der Weihnachtszeit wiederholt. Aber nicht nur, wie Wikipedia weiter weiss: Der Apéro ist fester Bestandteil der Alltagskultur. Er soll die Zeit zum eigentlichen Essen genussvoll überbrücken und verkürzen. Oft trifft man sich nach der Arbeit noch schnell privat zu einem Apéro, bevor man nach Hause geht. Ich möchte da Wikipedia ergänzen: meine Freundin Anja und ich treffen uns manchmal auch „lange“ zu einem Apéro, bevor wir nach Hause gehen. Wikipedia würde seinem Namen nicht gerecht werden, wenn es nicht auch über die „Zutaten eines Apéros in der Schweiz“ informieren würde: Ein typischer Schweizer Apéro wird auf Servier- oder Apéroplatten angerichtet. Im Gegensatz zu einem Aperitif, unter dem man in Deutschland meist nur ein appetitanregendes Getränk versteht, werden beim Schweizer Apéro zum Getränk immer Häppchen serviert. Hauptzutaten können typischerweise sein: Nüssli, Chips, Salzgebäck, Trockenfleisch, Käse, Gemüse-Dips, Oliven, Brot oder Canapés. Um diese Zutaten hübsch zu servieren benötigen Schweizer und Schweizerin unzählige Schälchen, Tabletts oder Tellerchen. Natürlich kann man das Alltagsgeschirr oder das Sonntagsgedeck auftischen, viel spezieller sind aber ganz spezifische Apéro-Plättchen. Heute verschenke ich ebensolche, vielleicht in der Hoffnung auf eine baldige Einladung. Lasst uns das Glas heben auf den schönsten aller Schweizer Diminutive, den Diminutiv des Abendessens: à l’Apéro!

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22: Sag mir, wo die Blumen sind

Das gleichnamige Lied, gesungen von Marlene Dietrich, und ursprünglich von Pete Seeger als Antikriegssong komponiert, erinnert an die Trauer, die nach dem Krieg bleibt und die Blumen im Text symbolisieren die Vergänglichkeit und Sterblichkeit. Zu zahlreichen Begebenheiten, an Hochzeiten und Taufen, Geburtstagen, zu Essenseinladungen oder am Valentinstag werden Blumen als Zeichen von Liebe, Leben, Neuanfang, Zuneigung oder Schönheit eingesetzt. Verschiedene Blumenarten werden dabei mit unterschiedlichen Bedeutungen in Verbindung gebracht, z.B. zeugt der Bambus von Ausdauer oder langem Leben, weisse Lilien oder Mohnblumen werden im Todesfall verwendet, die Pfingstrose steht für Schüchternheit und Eukalyptus wird für gute Gesundheit verschenkt. Einzelne Blumen mit einem schön gestalteten Kärtchen, auf dem diese Symbolik festgehalten ist, sind schöne Alternativen zu einem grossen Blumenstrauss bei knappem Budget oder langen Reisewegen. Natürlich benötigt der Empfänger dann auch eine passende Vase, die ich heute gleich mitverschenke. Das Material Beton symbolisiert in diesem Falle Beständigkeit, Sicherheit und Stabilität, die ich meinen Lieben gerne in das neue Jahr mitgebe….

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21: Boxkampf

Wer kennt ihn nicht, den täglichen Kampf auf dem Schreibtisch. Stifte rüsten sich auf, um gegen die flatterhaften Papiere zu kämpfen, während der Anführer der Kaffeetassen längst vergessen hat, dass sich noch zahlreiche Kameraden auf dem Schlachtfeld befinden. Wir sind uns einig, dass wir diese Kriege im Ursprung bekämpfen müssen, ihr Aufkeimen verhindern. Im Weltgeschehen scheinbar unmöglich, können wir unseren Schreibtisch besser unter Kontrolle bringen. Bostich, Klebestreifen, Büroklammern und zahlreiche nützliche Ordnungshelfer können uns dabei unterstützen. Oft aber tragen diese Helferlein noch dazu bei, bestehendes Chaos zu vergrössern. Meine „tierische“ Büromaterialkollektion zum Beispiel hat sich in den letzten Jahren zum Zoo vergrössert und streunt regelmässig, sehr zum Ärger meines Freundes Mark, auf unserem gemeinsamen Schreibtisch umher. Die Helferlein wollen also ebenfalls gebändigt werden. Deswegen verschenke ich heute zu den Flamingo-Büroklammern die schmucke Box als ordnungsschaffendes Gehege gleich dazu.

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20: Vote for your quote

Zugegeben: ich liebe Zitate. Zitate aus Büchern, Sprüche, Redensarten, Zitate berühmter Persönlichkeiten oder Zitate meiner Yogalehrerin. Immer wieder verschaffen mir die kurzen und prägnanten Sätze einen Anstoss zum Nachdenken, zum Schmunzeln oder zum Verändern. Da ich ungut unsere ganze Wohnung mit Zitaten zupflastern kann, schreibe ich mir diejenigen, die mich nachhaltig anrühren in ein kleines Notizbuch. Im Büro drucke ich Inspirationen aus und hänge sie an die Wand über meinen Computer, wo sie solange wirken, bis sie von neuen Ideen abgelöst werden. Einige Weisheiten überdauern als Ansporn (z.B. „CREATIVE PROCESS: 1. This is awesome, 2. This is tricky, 3. This is shit, 4. I am shit, 5. This might be ok, 6. This is awesome.“), andere dienen einem bestimmten Zwecke („Hey, I’ll be back in 5 minutes, but if I’m not, just read this message again.“) und wieder andere erheitern mich für kurze Zeit und werden mit neuer Tageslaune ersetzt („I hate how you’re just born out of nowhere, forced to go to school and get an education so cou can get a job. What if I want do be a duck.“). Natürlich verschenke ich auch gerne Zitate, in schöner Schrift und gerahmt passen sie perfekt in die Bilderwand oder ins Büchergestell.

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19: Am Anfang war das Wort

Ich startete in meinem Leben schon so einige Tagebuchprojekte. Nummer eins irgendwann in der Primarschule, nachdem ich gelernt hatte zu schreiben, jedoch (noch) nicht, meine (Verliebtheits)gefühle zu verstehen. Ich schrieb eine Sammlung an kitschigen Liebesgedichten. Beziehungsweise, ich versuchte es. Anfänglich habe ich im Wochentakt mit jeder Änderung meines Angebeteten die Seiten aus meinem Heft gerissen und zerstört. Um mir die daraus resultierende Sisiphusarbeit zu ersparen, habe ich in der 2. Phase dieses Projektes einfach die Namen des Angebeteten in der Widmung des Gedichtes gestrichen. Als wieder derselbe Name wie anfänglich dastand, habe ich das Projekt (gottseidank) begraben. Tagebuchprojekt Nummer zwei ist irgendwo in der Pubertät anzusiedeln. Ein Jahr lang habe ich jeden Tag meine Freuden und Leiden, Aktivitäten und Gedanken festgehalten. In einer Diddl-Agenda versteht sich. (Wie peinlich!) Damals dachte ich auch noch, ich werde irgendwann einmal ein Buch über mein Leben schreiben, weil es schon mit 15 so ausserordentlich (spannend) ist. Der dritte Versuch ist etwa 6 Jahre her und zog sich ebenfalls über ein Jahr. Jeden Tag habe ich ein Foto mit einer Einwegkamera gemacht und ein paar Gedanken notiert. Dieses Projekt gefällt mir mittlerweile immer noch, wenn es auch nur daran liegt, dass es in jüngerer Vergangenheit liegt. Mittlerweile schreibe ich nicht regelmässig, habe aber ein kleines Notizbüchlein, in welchem ich wichtige Gedanken und Erkenntnisse festhalte. Würde ich jedem empfehlen. Denn wie die Bibel schon wusste: „Am Anfang war das Wort…“. Ich glaube tatsächlich, dass das geschriebene oder gesprochene Wort so manches an Taten und Ereignissen auslösen kann. Und wenn ich irgendwann doch noch meine Memoiren schreiben sollte, habe ich wenigstens schon ein paar schlaue Sätze.

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18: (Auf)bewahren

Kein Monat des Jahres ist mit so vielen feierlichen Traditionen verbunden wie der Dezember. Die Festivitäten beginnen mit dem Entzünden der ersten Kerze vom Adventskranz, und setzen sich fort im Besuch des Samichlauses oder dem Schmücken des Weihnachtsbaumes, bis sie schliesslich mit dem Klirren von Champagnergläsern um Mitternacht am 31. Dezember enden. Dazwischen gilt es, eine Reihe familienspezifischer Aktivitäten zu erdulden oder erhalten. Zu meinen liebsten Weihnachtstraditionen gehört das Verschenken von Adventskalendern, deren Planung oft schon im Frühling beginnt, das Basteln des Adventskranzes, der Restaurantbesuch mit Kaja und Nicola, zwei meiner liebsten Freundinnen, das Schmücken von Weihnachtsbaum Nummer 1 in unserer Wohnung mit zahlreichen verrückten Weihnachts“kugeln“, das intime aufwändige Weihnachtsessen, das ich mit meinem Freund Mark für uns alleine koche, der Mädchenapéro bei meiner Freundin Noémie, das Schmücken von Weihnachtsbaum Nummer 2 bei meinen Eltern, Fondue Chinoise und Schoggimousse an Heiligabend, der Besuch bei meinem Göttibuben Lars und seiner Familie am 25. Dezember und die anschliessenden feucht-fröhlichen Tage im Winterwunderland Lenzerheide mit meinen Schwiegereltern und vielen lieben Freunden auf und neben der Piste. In diesem Jahr wird alles anders sein. Mein geliebter Daddy, der alle Weihnachtslieder auswendig kannte und mit seiner schönen Stimme 90% unseres bescheidenen Chores ausgemacht hat, der die schönsten Weihnachtskärtchen gestaltete, stets den Weihnachtsabwasch machte und für genügend Wein sorgte, der den Christbaum montierte und uns die wahren Werte von Weihnachten vorlebte, der uns drei Frauen zusammenhielt und aufkeimende Streite schlichtete, der sich in schicke Kleidung warf und sich am liebsten selbst Geschenke machte, der den Ofen einfeuerte und nach Heiligabend wegen des vielen sensationellen Essens und Trinkens bestimmt schlecht schlafen und trotzdem als erster wach sein würde, der mit mir „Love actually“ schauen und über Hugh Grant schmunzeln würde, der Mamis Kochaufwand lobte und stets Angst vor zu wenig Kartoffeln hatte, wird dieses Jahr nicht dabei sein. Wir drei verbliebenen Musketiere, meine Schwester, meine Mutter und ich, werden den Kampf gegen die traurigen Momente aufnehmen und uns überlegen müssen, welche Traditionen wir beibehalten werden und welche wir vielleicht, zumindest vorerst, aufgeben werden. Sei es, weil es ohne meinen Vater nicht funktionieren wird (der Chor) oder weil die Erinnerungen noch zu schmerzhaft sind. Vielleicht werden wir auch den Grundstein für neue Traditionen legen können, vielleicht wird Mami mit mir „Love actually“ schauen und ich dafür den Abwasch übernehmen, vielleicht wird meine Mutter einen kleineren Weihnachtsbaum kaufen oder das Menu ändern, vielleicht werden wir Heiligabend das Grab von Daddy besuchen, ganz bestimmt aber, werde ich Mami sagen, wie toll ihre Kochkünste sind und Unstimmigkeiten damit begegnen, den zwei wichtigsten Frauen in meinem Leben zu sagen, was sie mir bedeuten. Das heutige Geschenk, die kleine Clutch soll diesen zwei Frauen helfen, zu sortieren. Aufzubewahren, was sie als wichtig erachten und zu verwerfen, was sie als überflüssig empfinden.

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